Winterblues

Normalerweise bin ich die letzte Person, die sich ueber einen anstaendigen Winter beschwert. Im platten Norden Deutschlands aufgewachsen, freue ich mich ueber jede einzelne Schneeflocke, die laenger als drei Minuten auf dem Boden liegen bleibt. Ein Spaziergang in der knackig kalten Schneelandschaft mit halberfrorenen Zehen in den Schuhen und einem heissen Kakao im Anschluss reizt mich mehr als ein Tag am Meer mit sandigem Sonnenoel und tropfender Eistuete. Es geht nix ueber einen anstaendigen Winter, und wer meinen Standpunkt nicht teilt, ist ne verweichlichte Heulsuse; jawoll.

Diese arrogante Meinung vertrat ich mein ganzes Leben. Bis der tristeste Winter seit 60 Jahren daherkam, das Tageslicht mopste und im Austausch dafuer eine gehoerige Portion Winterblues hinterliess. Seitdem wechselt meine Stimmung fast taeglich zwischen verzweifeltem Neid auf all die Skandinavier noerdlich des Polarkreises, die sich vorbildlich mit ihren dunklen Wintern arrangieren, und einer latenten Miesepetrigkeit, wie sie selbst Grumpy Cat nicht zur Schau traegt.

Daneben verbringe ich sehr, sehr, sehr viel Zeit in den eigenen vier Waenden. Eingewickelt in einen albernen Snuggie schaue ich mir schlechte Sitcoms an, kontrolliere meine unzaehligen Armbanduhren, entstaube Kakteen, beobachte mit dem Fernglas Mr. Thorwald von Gegenueber und futtere vemehrt Suesskram. Ach watt – nicht nur vermehrt, sondern viel zuviel davon! Es wuerde mich nicht wundern, wenn man mich Anfang April nur mit dem Stemmeisen vom Sofa bekaeme. Dieses Wochenede beispielsweise musste eine grosse Portion Snickerdoodles dran glauben. Glutenfrei und mit Orange als fruchtig frischen Zusatz, um dem Lenz ein wenig Dampf unter dem faulen Hintern zu machen. Ob sich der verhangene Himmel von meinem Bestechungsversuch beeindrucken laesst, kann ich nicht beurteilen. Sonnenklar ist allerdings, dass die Kekse aeusserst lecker waren und ich mit Beginn des Fruehlings wohl eine Hosengroesse mehr tragen werde.

Orangen Snickerdoodles (glutenfrei)
 
Arbeitszeit
Koch/Backzeit
Insgesamt
 
Leckerer Orangenkekse nicht nur für Menschen, die glutenfrei leben
Zutaten
  • 250g Butter, zimmerwarm
  • 300g Zucker
  • 3 Eier
  • Die abgeriebene Schale einer Bio-Orange
  • 500g glutenfreies Mehl (z.B. Schaer Mix C)
  • 2Tl Weinstein-Backpulver
  • 4El Zucker
  • 1El Zimt
Zubereitung
  1. Den Backofen auf 180° Ober/Unterhitze vorheizen. Die 4El Zucker mit dem 1El Zimt in einer kleinen Schale vermengen und beiseite stellen. Die Butter mit den Schlagbesen eines Handmixers cremig ruehren. Den Zucker dazugeben und fuenf Minuten unterruehren. Orange waschen und abtrocknen. Die Schale fein abreiben und zusammen mit den Eiern ebenfalls einige Minuten unter die Masse ruehren. Mehl und Backpulver druebersieben und alles kurz auf kleinster Stufe miteinander verbinden.

  2. Mit den Haenden etwa murmelgrosse Kugeln formen. Diese in der Zimtzucker-Mischung waelzen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Kekse etwa 10 Minuten backen, bis sie an den Raendern ganz leicht braun werden. Kurz auf dem Backbleck liegen lassen und dann zum Abkuehlen vorsichtig auf ein Gitter legen. Anschliessend luftdicht aufbewahren. Die Kekse sind am ersten Tag sehr muerbe, werden aber am zweiten Tag etwas fester. Anmerkung: wird der Teig mit glutenhaltigem Mehl zubereitet, sollte die Menge um 100g reduziert werden.

Comments

  1. Ich fürchte weniger das Stemmeisen als um meine Bikini – Figur….solange habe ich noch nie in dicke Wintersachen warm verpackt, Süßigkeiten in mich hinein geschoben…normalerweise ist damit mit den ersten Frühlingsgefühlen, Schluss!
    Nur will sich einfach keinFrühlingsgefühl einstellen und dein leckeres Rezept macht es mir auch nicht leichter ;-)
    Halt durch, irgendwann muss der Winter ja mal vorbei sein!!!
    VLG
    Birgit

  2. Die weltgrößte Winterheulsuse meldet sich und fragt sich, ob ein Snickerdoodle sie wohl unter der Decke hervorholen könnte…und was eigentlich Snickerdoodles sind? Aussehen sie ja wie Kuchenkekse?!?
    Alles Liebe,
    Nova

  3. Ich bin wohl auch eine der wenigen, die den Winter bislang nicht nur ertragen, sondern on vollen Zügen genossen haben. Jedoch muss auch mir mit mittlerweile eingestehen – ich freu mich auf den Frühling, und zwar sehr. Ich gebe dem Winter die letzten Tage, die ihm rechtmäßig zustehen und brauch dann endlich etwas Frühlingssonne zum Kraft tanken.
    Also noch ein paar Tage Augen zu und durch…
    Liebe Sonntagsgrüße,
    Sabine

    PS.: Falls Du Tipps gegen den Winterblues sucht oder der Winter noch länger anhalten sollte, schau mal auf meinem Bog vorbei, da hab es vor kurzem einen Post zum Thema “Winterblues” :-)

  4. Hihi, da gab’s ja bei uns heute ein ordentliches Keks-Kontrastprogramm. Bei uns im Süden war es am Wochenende wirklich sehr frühlingshaft. Drücke die Daumen, dass der Frühling auf Snickerdoodles steht und auch mal bei euch vorbeischaut!
    LG von einer verweichlichten Heulsuse! :)

  5. Ach wie schön! Über den Winter jammern kann ich auch gut, da bin ich geübt :) Aber über Sonne, Strand und Meer habe ich noch nie gejammert und ich hoffe, ich komme nie in die Verlegenheit das zu tun! Die Snickerdoodles klingen übrigens hervorragend, aber warum muss man die Mehlmenge reduzieren, wenn man glutenhaltiges Mehl verwendet?
    Viele Grüße
    Julia

  6. So als verweichtlichte Heulsuse (*hrmpf*) muss ich mich ja immer wieder daran erinnern, dass Snickerdoodles absolut rein gar nix mit dem Schokoriegel gemeinsam haben. Ganz ehrlich: es käme dich viel billiger mir die ganzen Doodles per Post zuzusenden, als dir nächsten Monat eine neue Garderobe zu kaufen. Vielleicht vergess ich dann auch endlich mal den Riegel.

    Liebe Grüße von der Luna

  7. Bei Snickerdoodles dachte ich eigentlich sofort an Erdnüsse. Aha, doch nicht, aber meine geliebten Orangenschalen und der Duft von Zimt erfüllen den Raum. So können wir uns auch gut über die trüben Tage hinwegtrösten.

    Liebe Grüße
    Anna

  8. Jeah! Und mir, Grumpy Kate, reicht es schon längst!
    Mein Pa erzählt gerne und oft, dass er TAGELANG niemanden trifft, wenn er am und um den Nordkap unterwegs ist. Zudem versteht er gar nicht, warum da so viele Touries hinpilgern. Für ihn ist das Nordkap nur ein Fels mit Pinokkel im Boden, wie er sagt. Ich hingegen liebe Steilküsten! …. aber zurück zum Thema…
    Die Kekse sehen ja ein wenig wie Amarettinis aus…. nur eben dass sie durch die Orange nach Sonne schmecken…. werde auf jeden Fall jetzt mal googlen, was “Snickerdoodles” bedeutet :-D
    Zauberhafte Grüße…. Katja

  9. In meiner Heimat im nördlichen Bayern, hinter den Bergen bei den sieben Zwergen sozusagen, da kann der Winter noch richtig Winter! Miesepeter ist dementsprechend sozusagen unser aller zweiter Vorname. Ich werde an Ostern mal großzügig Snickerdoodles verteilen und das Eis zum Schmelzen bringen… Snickerdoodles, da find ich ja auch einfach mal den Namen cool. Gibt’s die auch in Snickers-Geschmack?
    LG

  10. Liebe Persis,
    was hast du denn da wieder gezaubert???
    Das habe ich ja noch nie gehört….Snickerdoodles! Was für ein Name….
    Schmecken anscheinend auch so wie sie klingen: Phantastisch!
    Die mache ich zu Ostern! Ostersnickerdoodles…. ;-)
    Liebe Grüße
    Melli

  11. Oh, die sehen toll aus! Wenn sich da nicht der Frühling einstellt, dann weiß ich es auch nicht! Tja, du hast es auf den Tisch gebracht und ich muss mich jetzt outen: ich bin und bleibe eine olle Heulsuse, was den Winter angeht! So ist es und so wird es wahrscheinlich immer bleiben! Regelmäßig hole ich mir meinen Sonnenbrand, kuriere meine zerstochene Haut, die immer so von den Mücken drangsaliert wird, aber das ist die Sonne definitiv wert! :) Aber ein muss man der kalten Jahreszeit doch lassen: sonst läßt sich Süßkram und Gebäck nie so wunderbar essen!

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