Unschön

Blog-Event XC - Outtakes (Einsendeschluss 15. August 2013)

Liebe Leser, liebe Pimpimella! Ich werde euch heute an einen Ort entführen, den Normalsterbliche sonst nicht zu sehen bekommen: der Keller, in dem ich meine Leichen verscharre. Erschreckend viele haben sich im Laufe der Zeit hier unten angesammelt. Die einen so frisch, dass sie quasi noch in den letzten Zuckungen liegen, während die anderen schon seit geraumer Zeit vor sich hin faulen. Bevor ich euch mit in meinen Keller nehme, muss ich allerdings noch zwei Warnungen aussprechen. Erstens: die untenstehenden Bilder und Geschichten werden euch bis in den Schlaf verfolgen. Zweitens: solltet ihr meinen Keller und mich bei der Backpolizei verpfeifen, so muss ich euch leider die Zunge entfernen. Mit einer rostigen Nagelschere.

14_08_13_ENicht gesellschaftsfähig: meine eigene Geburtstagstorte. Dabei sah auf den ersten Blick alles so gut aus. Die Vanillesahne schmiegte sich wie ein fluffiger Pelz um zwei saftige Bananenkuchen, die einen Kokospudding von perfekter Konsistenz in die Mitte nahmen. Das eigentliche Problem lag etwas tiefer, nämlich in der Magengegend. Das Törtchen war durchaus lecker, aber sehr reichhaltig und dadurch unbekömmlich. Das fanden auch meine Gäste, die bereits nach einem halben Stück Geburtstagstorte deutlich stiller wurden, zum Zeichen der Kapitulation die weiße Serviette schwenkten und danach stocksteif und mir glasigem Blick die Raufasertapete auf der gegenüberliegende Wand anstarrten.

Das Backen von Kekse und Cupcakes hätte ich mir an jenem Tag übrigens sparen können, denn die Leckereien wurden zugunsten einer Packung Rennie, die heimlich unter dem Tisch herumgereicht wurde, ignoriert. Der einzige Gast, der aus purer Höflichkeit an einem Mini Gugl knabberte, musste am Abend sogar mit dem Brecheisen aus seiner Sitzgelegenheit gestemmt werden. Danach zerriss ich das Torten-Rezept in sieben Teile und vergrub diese auf allen sieben Kontinenten – auf dass der kiloschwere Bananenklops nie wieder eine harmonische Kaffeerunde stören wird.

14_08_13_BDiese Kekse haben eigentlich alles: ein Herz aus schlabbrig-geschmolzenem Rolo. Eine weiche, fast kuchenartige Hülle. Schlankmachende Längsstreifen aus Vollmilchschokolade. Aber eine wesentliche Kleinigkeit fehlt ihnen: das passende Rezept. Ich erinnere mich noch daran, wie ich an einem Donnerstag im Frühling mit der Dose voll frischgebackener, duftender Kekse durch die Küche tanzte. Ich hatte den Jackpot geknackt, den Code entschlüsselt, den heiligen Keks-Gral gefunden! Ich schüttelte mir in Gedanken die Flosse und feierte die Entdeckung, indem ich nach und nach den kompletten Doseninhalt inhalierte.

Als ich aus einem mehrtägigen Zuckerkoma erwachte, waren nicht nur alle Kekse fort, sondern auch die dazugehörige Rezeptidee. Verzweifelt durchforstete ich die leeren Packungen im Mülleimer, in der Hoffnung, meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen zu können. War etwa Frischkäse im Keksteig? Austernsauce? Blasenpflaster? Ich hatte keine Ahnung! Übrigens ist es mir bis heute nicht gelungen, das Rezept zu rekonstruieren. Zurück bleiben Bilder aus einer Zeit, in der ich dem Glück ganz dicht auf den Fersen war.

14_08_13_DDer 2. Februar ist Groundhog Day. Die passende Gelegenheit, um eine Liebeserklärung an die gleichnamige Komödie aus dem Jahr 1993 niederzuschreiben. Ich mag diese Szene, in der Bill Murray sich quer durch die Speisekarte des Tip Top Cafés futtert, ganz besonders gerne. Wenn sich Meister Murray das Tortenstück in einem Rutsch ins Gesicht stopft, huscht mir auch zwanzig Jahre später noch ein ehrfürchtiger Schauer über den Rücken.

Übrigens: in den ersten Sekunden des Filmausschnitts sieht man rechts neben den Donuts etwas, das ein „Sticky Bun“ sein könnte. Ein süsses Hefegebäck, welches Pate für das traurige Gerödel auf dem Bild dort oben stand. Meine Version war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Nicht nur, dass ich mir das Aufrollen des Teigs gespart, und die Pecannüsse schlichtweg vergessen hatte – der klebrige Überzug aus Ahornsirup, Butter und Zucker verwandelte sich beim Backen in unappetitliche braune Klumpen. Und der Hefeteig? Trockener als fünfzig Jahre altes Knäckebrot. Darüber konnte auch der niedliche Papp- Murmler ohne Unterleib nicht hinwegtrösten. Da mussten schon härtere Geschütze ran. Zum Beispiel süßer Wermut mit Eis und einem Scheibchen Zitrone.

14_08_13_C

Zum Schluss möchte ich euch meine grüne Phase präsentieren, aus der ich gottlob mittlerweile herausgewachsen bin. Grün wird oft mit dem Frühling in Verbindung gebracht und hat sich als typische Osterfarbe etabliert. Denkt man an Ostern, fällt einem unweigerlich Meister Lampe ein, der anmutig über den manikürten Zierrasen hoppelt, um hier und dort grässliche Knickebein-Eier zu verstecken. Woran man eher nicht denkt, sind Cupcakes mit atomarem Mützchen. Oder giftgrüne Rice Krispie Treats. Beides geschmackstechnisch einwandfrei – man darf beim Essen nur nicht zu genau hinsehen, sonst wird man blind.

Das Rezept für die Rice Krispie Treats habe ich sogar noch im Kopf. Ich gebe es euch gerne mit auf den Weg, aber ihr müsst euch beeilen, denn dieser Blogbeitrag wird sich in fünf Sekunden selbst zerstören.

 

Toffee-Nutella Rice Krispie Treats
 
Arbeitszeit
Koch/Backzeit
Insgesamt
 
Zutaten
  • 40g Butter
  • 100g Marshmallows
  • 100g Rice Krispies (Kellogg’s)
  • 3 El Nutella
  • Ca. 10 Toffee Bonbons (z.B. Sahne Muh Muhs), gekühlt
  • 200g Vollmilchschokolade
Zubereitung
  1. Eine Auflauf- oder Backform von ca. 15×15 cm einfetten und mit Backpapier auslegen. Die kalten Toffee Bonbons in je 4 bis 6 Stückchen schneiden. 20g Butter bei mittlerer Hitze in einem großen Topf schmelzen lassen. Die Marshmallows zugeben und mit einem eingefettetem Plastiklöffel oder Gummispatel so lange rühren, bis sie komplett geschmolzen sind. Zwei El Nutella einrühren, dann die Rice Krispies und Toffeestückchen unterheben, bis sich alle Zutaten miteinander verbunden haben. Die Masse in die Form füllen und mit gut angefeuchteten Händen glatt drücken.

  2. Die Schokolade in Stücke brechen und mit der restlichen Butter bei geringer Wattzahl in der Mikrowelle schmelzen. Zwischendurch gut umrühren.Das restliche Nutella in die geschmolzene Schokolade rühren. Die Schokomasse auf die Rice Krispies geben und gut verstreichen. Rice Krispie Treats eine halbe Stunde im Kühlschrank aushärten lassen, mit dem Backpapier aus der Form heben und mit einem scharfen Messer in Stücke schneiden.
Hinweis
Mutige Menschen nehmen statt des Schokoladenüberzugs grüne Candy Melts

Comments

  1. Danke für deinen lustig, grusseligen Ausflug in deinen Keller. Von meinen Pannen gibt es selten so schöne Fotos. Ich bin irgendwie froh zuhören, dass diese dir auch manchmal zustößt. Nun wieder viele schöne Backideen und gute Umsetzungen.
    LG Franzi

  2. -hihiihi! Sehr gut geschrieben, ich kann das total nachvolliziehen!!! Obwohl eigentlich alle Bilder totla gut undecht lecker aussehen :) Aber manchmal täuscht ja das äußere :)
    Und das mit den Keksen ist echt schade… Vielleicht gelingt dir ja noch mal ein ähnlicher Versuch !!!
    Alles Liebe, Cathiu von Carpe Kitchen!

  3. Persis….ich kann nicht mehr…..vielen lieben Dank, dass Du mitgemacht hast, ich lach mich tot.

  4. Ein toller Bericht! :-) Aber wirklich schade, dass das Keksrezept verschwunden ist – die sehen nämlich sehr verführerisch aus! Liebe Grüße, Ju

  5. Zum 1 Mio. Mal: Ich liebe deine Texte!
    Und deine Unfälle sehen allesamt zum Anbeißen aus!

    LG,
    Claudi

  6. Liebe Persis,
    ich lach mich schlapp, wenn ich mal wieder deinen Post lese ;-) Suuuuper geschrieben!!! Und auch, wenn deine Torte nicht so gut ankam…sie sieht trotzdem spitze aus! Dennoch kann ich es gut nachvollziehen, wenn die Torte nachher im Müll landete und du das Rezept vernichtet hast, denn ich bin auch kein großer Fan von süßen, üppigen und mächtigen Sahnetorten. Und die Rolo-Kekse…ein Traum! Ich drück die Daumen, dass du das Rezept doch noch mal wiederfindest!!! Für uns alle :-)

    Ganz liebe Grüße
    Janet

  7. Also dafür das sich bei allen Dingen um gruselige Kellerfunde u.ä. handeln soll, sehen diese wieder mal überaus gelungen aus. Fotogen sind diese in jedem Fall und Du hättest Deinen treuen Lesern diese Dinge allesamt als die besten Köstlichkeiten verkaufen können und niemand hätte es gemerkt ;-)

    Liebe Grüße,
    Sabine

  8. Uff, Glück gehabt der Post ist noch da! Optisch sieht ja wieder mal alles top aus.

  9. uiui, ich hasse es, wenn gute ideen futsch sind! die torte sieht fantastisch aus, aber was zählt ist einfach der geschmack…

  10. DU hast Leichen im Keller??? DAS hätte ich im Leben nicht gedacht.

    Das war gerade soooooo lustig – ich habe richtig laut gelacht.
    Das tat gut! DANKE für deine Leichen im Keller….
    Aber auch ich muss sagen, die Leichen sehen super aus…
    Willst du mal in MEINEN Keller gucken…?
    Dann lässt du aber die nächsten 10 Tage das Licht brennen, wenn du schlafen gehst.

    Hab einen schönen Tag….
    Katja

  11. Liebe Persis,

    Auf Deinen Blog gehe ich in Zukunft immer dann, wenn meine Laune im Keller ist! Denn unter Garantie werde ich nach dem Lesen Deiner Posts wieder zum fröhlichsten Menschen in meiner Umgebung!
    Danke für Deine lustige Kellergeschichte….
    Diese Rolo-Teile sind für mich im übrigen Kindheitserinnerung pur, die habe ich als Kind soooo geliebt :)

    Liebste Grüsse
    Andrea

  12. Hallo liebe Persis,

    wie, du fürchtest dich vor mir! Hab ich etwa Leichen im Keller? Oder meine Freunde außer Gefecht gesetzt? Gegen dich bin ich ja wohl harmlos ;-)

    Ganz liebe Grüße und ein wunderschön gruseliges Wochenende

    fräulein glücklich

  13. So gut wie Deine Outtakes auf den Fotos aussehen kannst Du mir das nächste Mal Deine Kellerleichen einfach an mich schicken. Ich versorge sie dann fachgerecht. :-)

    Das mit einem vergessenen Rezept ist mir auch schon passiert. Da hilft nichts, als noch mal in die Küche stellen und von Null auf alles neu kreieren. Geht jedenfalls bei mir rascher als Vergessenes rekonstruieren. :-)

    Liebe Grüße und eine schönes Wochenende
    Anna

  14. Ein toller Ausflug in deinen Keller! Schön zu wissen, dass man nicht alleine im Blog-Post-Leichenkeller ist ;-) ! Wirklich ärgerlich, wenn einem DAS ultimative Rezept wie Äther entfleucht. Ich leide unter “Zettelwirtschaft”. Es wird zwar alles notiert, aber manchmal verlieren sich die Zettel leider im Nirgendwo.
    Liebe Grüße, Renate

  15. Ich wünschte mein Keller würde solche Leichen bieten. Bei mir gibt es lediglich Kaninichengroße Spinnen und Kisten, die ich nicht mehr aufmachen will aus Angst eine neue Lebensform geschaffen zu haben. Vielleicht könnte man einen Whoppie Pie Teig für die Rolo-Kekse nehmen?
    Und nur nebenbei: mein Ohrwurm jubiliert und singt ganz laut: AND PUT YOUR LITTLE HAND IN MINE,…Babe, I got you babe. Das wird mich das ganze Wochenende begleiten ;)
    Ich liebe diesen Film auch sehr, ich steh drauf wenn er dem Jungen, der vom Baum fällt rettet und sich dann beschwert, dass er sich nie bedankt. Aber auch wenn Murmeltier Phil Auto fährt.
    Ach ich glaub ich muss den mal wieder sehen.
    Besten Dank für die Unterhaltung
    Liebe Grüße
    Tanja

  16. Es ist beruhigend zu sehen, dass es bei anderen Bloggerinnen genau so zugeht, wie bei mir ;) Manche Rezepte haben es einfach nie auf den Blog geschafft, weil die Fotos schlichtweg nichts geworden sind oder sich am Ende erst rausstellte, dass meine Kreation gar nicht schmeckte.
    Danke für den Einblick!

    Liebste Grüße,
    Julia

  17. Liebe Persis,
    du hast Leichen im Keller? Ich mochte es kaum glauben. Und auch deine Fotos zeugen nicht davon. Die Geschichten dazu sind so charmant! Also hast du eher sehr fröhliche und lustige Leichen in deinem Keller hausen. Wobei die Keksrezept-Geschichte ja schon eher betrüblich ist.
    Liebe Grüße
    Natalie

  18. ich kann behaupten: 18.08.2013 ich hab’s überlebt :D
    aber das mit dem rolo-keks nehm ich dir übel. lass dich in trance versetzen, geh zu einem schamanen, zu einem hirnforscher oder nimm bewusstseins-erweiternde drogen! sorg dafür, dass die erinnerung wieder einsetzt.

  19. Ich schließe mich Luna an. Melde dich auf der Arbeit krank, überlass die Katzen & deinen Mann sich selbst und stelle dich 24,5 Stunden am Tag in die Küche, um zu versuchen dieses Keksrezept zu rekonstruieren. Erst dann darfst du wieder einen neuen Post veröffentlichen!Oder mache zumindest die verführerischen Bilder von den Rolo-Keksen so klein, dass man nichts mehr davon erkennen kann (als andere ist Schikane deiner Blogleser – also wirklich so etwas vorsetzen und dann das Rezept nicht haben, tzzt).
    :)

  20. Liebe Persis,
    das sind die schönsten leichen, die ich je gesehen habe…ok, ich habe Gott sei Dank noch keine Leiche gesehen, aber deine sind mit Sicherheit die schönsten :P

    Tja, leider passiert es zu oft, dass ein Rezept super klingt, das Ergebnis traumhaft aussieht, nur der Inhalt dem ersten Eindruck nicht standhalten kann. Vielen Dank für deine ehrlichen Outtakes :D

    Alles Liebe
    Sarah

  21. die geschichte mit dem verloren gegangenem rezept könnte auch von mir stammen. :( ich habe tonnenweise fotos mit leckeren sachen, die ich wahrscheinlich nie mehr rekonstruieren kann weil ich in meiner euphorie ganz vergessen habe, das rezept aufzuschreiben. aber der moment war wenigstens schön & diese erinnerung bleibt! :)

  22. Hahahahaha… danke Persis für diese schöne Aufheiterung an so einem blöden Montag! Da bekommt Leichenschmaus eine ganz neue Bedeutung ;) Ich gehe jetzt gut gelaunt die Kalorien die ich hier über die Augen aufgenommen habe abtrainieren.

  23. Ein wirklich gelungener Beitrag, ich habe sehr gekichert vor meinem Laptop. Vor allem die Geschichte mit der überaus mächtigen Torte, das hab ich so ähnlich auch schon einmal erlebt. Da gibt man sich solche Mühe beim Backen und Dekorieren und malt sich die begeisterten Gesichter und Kommentare aus – und so etwas kommt dabei heraus… Wer kann solche Steine in Kuchenform wohl essen, ohne sich instantly zu erbrechen? Niemand wohl ;)

    Dein Blog ist sehr liebevoll gestaltet, muss ich sagen. Freundliche Farbgebung, schlicht, aber schön, vor allem die Symbole ganz oben in der Ecke! Ich werd mich mal durch deine anderen Posts durchklicken und freue mich schon auf neue Geschichten.

    Liebe Grüße
    Nadja

    P.S.: Die Schrift im Kommentarfeld ist zwar zuckersüß, aber ich tu mir sehr sehr schwer, sie zu lesen (fast wie eine sehr hübsch-dekorative, aber unleserliche Handschrift einer meiner Schülerinnen).

  24. Ich weiß ja nicht, ob das hilft, aber ich habe bei Pinterest dieses Rezept gefunden
    http://www.pipandebby.com/pip-ebby/2012/12/7/chocolate-crinkle-cookies-with-a-rolo-surprise.html
    und ich finde das hat zumindest optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Rolo gefüllten kleinen Leckerbissen.

    Viele liebe Grüße
    Tanja

    • Persis says:

      Mensch, das sehe ich ja jetzt erst :( Dein Kommentar ist völlig an mir vorbeigegangen, tut mir leid! Vielen Dank für den link zu den Keksen! Die werde ich mal genauer unter die Lupe nehmen.

Trackbacks

  1. […] ein „Das-Kenne-Ich-Doch-Irgendwo-Her-Gefühl“ beschleicht, dann liegt es nur daran, dass es den beinlosen Murmler tatsächlich schon einmal auf diesem Blog zu sehen […]

  2. […] gut, dass ich es in der Vergangenheit bereits versaubeutelt habe. Nicht umsonst konnte ich meinen Outtakes im letzten Jahr einen ganzen Beitrag […]

Speak Your Mind

*