Haselnusskuchen & Hochstapelei

Hazelnut Cake  @ yumlaut.de

Mein Leben ist ein Haus der Lügen, dessen Fundament bereits in frühester Kindheit gelegt wurde. Ein fragiles Bauwerk aus Halbwahrheiten und Schwindeleien, das mit den Jahren Risse zeigt und den Blick freigibt auf all die dunklen, schmutzigen Geheimnisse unserer Familie. Der Zwerghamster, der „für immer“ in Urlaub fuhr und aus diesem sogar eine Postkarte schickte? Starb an Altersschwäche und wurde heimlich im Garten vergraben. Laut Toni, dem Lieblingsonkel vom Bauernhof, geben schwarz-weiße Kühe Milch und braune Kühe geben Kakao? Eine Weisheit, die man lieber nicht während des Bio-Unterrichts herausposaunt. Es sei denn, man hat ein dickes Fell und kann es ertragen, von seinen Mitschülern ausgelacht zu werden.

Und was ist mit Omas weltberühmtem Familien-Nusskuchen? Der, mit dem sie in den wilden Achtzigern den ersten Preis im Backwettbewerb der Landfrauen gewann? Nicht mal der ist echt, sondern die größte Lüge überhaupt. Das Rezept zum Kuchen wurde nämlich nicht von Generation zu Generation weitergereicht, sondern hastig aus einer alten Frauenzeitschrift gerissen, wo es zwischen Knäckebrotdiät und Schlaghosen aus Cord abgebildet war, wie sich Jahre später per Zufall herausstellte.

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Im Laufe der Zeit machte Oma das Rezept zu ihrem, indem sie Zutaten und Zubereitungsart variierte. Aus dem Napfkuchen wurde erst ein Königskuchen mit Walnüssen und Rumglasur, dann ein Blechkuchen mit Dosen-Ananas und Kokosraspeln, und schließlich wieder ein Gugelhupf mit Haselnüssen und Schokoladenguss. Meine Version von heute weicht ebenfalls minimal vom Original ab. Ich ersetze einen kleinen Teil Mehl durch Kakao und tränke den Kuchen direkt nach dem Backen mit einem Kaffeesirup, wodurch er sehr saftig wird und einen schönen Glanz bekommt. Der Schokoladenüberzug bleibt so simpel wie im ursprünglichen Rezept, und zur Dekoration kommen noch ein paar Früchte der Saison obendrauf. Und wenn der fertige Kuchen dann vor mir steht und ich mir die erste aromatische Scheibe abschneide, denke ich grundsätzlich an meine Oma, der schlimmsten Schwindlerin von allen.

Ich finde, mit ihrer Kuchenlüge hat sich meine Oma diesen Monat einen ganz besonderen Platz beim Tastesherrif in der aktuellen #ichbacksmir Runde verdient. Im Juni geht es dort passenderweise nämlich um Familienrezepte.

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Haselnusskuchen
 
Arbeitszeit
Koch/Backzeit
Insgesamt
 
Aromatischer Haselnuss-Rührkuchen mit Kaffeesirup und Schokoladenglasur
Zutaten
  • Kuchen:
  • 200g weiche Butter
  • 150g Zucker
  • 3 Eier
  • 1 guter Schluck Rum
  • 100ml Milch
  • 300g Mehl
  • 20g schwach entölter Kakao
  • ½ Beutelchen Backpulver
  • 120g Haselnusskerne ohne Haut
  • Kaffeesirup:
  • 150ml Wasser
  • 200g Zucker
  • 1 El Espressopulver
  • Dekoration:
  • 200g Vollmilchschokolade
  • Ca. 3El Milch
  • Johannisbeeren
Zubereitung
  1. Die Haselnüsse in einer fettfreien Pfanne unter ständigem Wenden rösten, bis sie duften. Danach in einem Blender fein mahlen. Den Backofen auf 175° Ober/Unterhitze vorheizen. Den Boden einer 24 cm Springform mit Backpapier auslegen, die Form mit flüssiger Butter fetten und mit Kakao ausstäuben. Butter und Zucker mit dem Handmixer hell und schaumig schlagen. Jedes Ei ca. 30 Sekunden einarbeiten; danach Milch und Rum unterrühren. Backpulver, Kakao und Mehl in einer Schüssel miteinander vermengen. Mehlmischung und Nüssen abwechselnd in die feuchten Zutaten rühren. Den Teig in die Form geben, glattstreichen und auf mittlerer Schiene 50-60 Minuten backen (Stäbchenprobe).

  2. In der Zwischenzeit die Kaffee-Tränke herstellen: Zucker und Wasser in einem kleinen Topf ca. 3 Minuten kochen lassen, bis sich der Zucker komplett aufgelöst hat. Topf vom Herd nehmen und Espressopulver einrühren. Den Sirup durch ein feines Sieb in eine heiß ausgespülte Flasche geben. Im Kühlschrank hält sich der Sirup mehrere Wochen.

  3. Den Kuchen aus dem Ofen holen, auf ein Gitter stellen und dort zehn Minuten abkühlen lassen. Anschließend aus der Form befreien. Den warmen Kuchen mehrmals mit einem Schaschlikspieß einstechen und großzügig mit dem Kaffeesirup tränken. Danach komplett auskühlen lassen.

  4. Die Johannisbeeren waschen und mit einem Tuch trockentupfen. Die Schokolade in Stücke brechen und mit der Milch in eine Mikrowellenschale geben. Auf niedriger Wattzahl minutenweise erhitzen; zwischendurch immer wieder umrühren, bis sich Schokolade und Milch miteinander verbunden haben. Den Guss zähflüssig abkühlen lassen und dann auf den Kuchen geben. Zum Abschluss mit den Johannisbeeren dekorieren.

 

Comments

  1. Also das mit den Kühen fand ich gerade am besten :D auf was “Erwachsene” so kommen :) da hast du wieder wunderschöne Fotos <3

  2. Das sieht super lecker aus!! ;)

    Liebe Grüße
    Fede

  3. Sogar mit sommerlicher Beerenkrone – ein gekrönter Kuchen á la Oma!
    Ach, da bekommt man gleich wieder Hunger. Ist nicht gerade auch Kaffee & Kuchenzeit? Sogar die Sonne kommt hervor!

    Die Fotos sind wieder mal die reinste Wonne, liebe Persis! Das Rezept wird abgespeichert. Allerdings dann aufgrund einer Allergie etwas abgeändert werden müssen. Aber wenn man Dir mal Glauben schenkt, so wird ja hier und da eh gerne etwas geschummelt :-)

    Sonnige Grüße an den gedeckten Kaffeetisch,
    Sabine

  4. Grossartige Geschichte (zum Glück ist halbwegs was aus Dir geworden bei all den Halbwahrheiten ;-) übrigens: ich habe bis ins Teeniealter fest daran geglaubt dass mein Papa eine Halbglatze hat weil ihm eine Motorhaube auf den Kopf gefallen ist…) und ein sehr lecker klingendes Rezept!

    Alles Liebe,
    Kristin

  5. Persis, deine Geschichten sind und bleiben der Knaller! Wenn die Email mit einem neuen Post von dir kommt freue ich mich schon aufs Lesen.
    Auch ich habe als Kind unter dem Abschiedsschmerz von meiner Ziege, die ich statt Pony (!) bekommen hatte, gelitten. Sie war angeblich weggelaufen…. Zum Schlachter, wie sich Jahre später herausstellte!
    Na ja, anscheinend haben wir’s ja weggesteckt und sind trotzdem in der Lage die Menschheit mit schönen Kuchen zu beglücken, so wie du heute mit deinem wunderhübschen ‘Omakuchen’ :-) .
    Liebste Grüße Maren

  6. Sieht der gut aus! …. Ich find’ man kann deiner Oma diese Lüge absolut verzeihen ;-)

    LG,
    Claudi

  7. Oh ja, die Kindheitslügen…. Um mir als kleines Mädchen den Spaß an Mc Donalds zu verderben, haben meine Eltern folgende Gelegenheit genutzt: Auf der Autobahn von unserem alljährlichen Urlaubsziel zurück kommt man gegen Mittag an einem Mc Donalds vorbei. Neben diesem stehen zwei so hohe Getreide-Silos, zufällig natürlich. Aber mir wurde erzählt, dass darin Ketchup und Mayo gelagert werden, unten mit Entnahme-Trichter etc. Ich hab’s geglaubt und bin tatsächlich nie ein großer Mc Donalds Fan geworden. Das beste aber, meinen Eltern war gar nicht klar, dass ich dieses Märchen tatsächlich einige Jahre (!) geglaubt habe…. Jetzt lachen wir alle zusammen, wenn wir wieder an diesem Mc Donalds vorbei kommen :D

    Liebe Grüße,
    Claudia

  8. Bääääm, allein die Bilder von diesem Schokoguss machen mich bekloppt. Danke, jetzt kann ich mich auf nix anderes mehr konzentrieren! :-D

  9. Ich kann total mitfühlen: Meine Schwester und ich waren sehr entsetzt als wir in der Chronik meines Vaters extrem häufige Wikipedia-Besuche fanden. Bis dato hatten wir beide geglaubt “Papa weiß alles”.
    Der Kuchen ist wegen des Kaffees nicht ganz meins, aber den Rest werde ich mal probieren ;)
    LG Kerstin

  10. Auch in meiner Familie gibt es ‘legendäre’ Rezepte ;-) Ich find’s witzig und super lecker. Deine Bilder sind wieder wunderschön und weckt die Gier in mir… leider bin ich auf Diät. Ich nehme einfach 1 kg mehr ab als geplant und dann koch und backe ich hier alles nach. Auf jeden Fall aber diesen genialen Kuchen

    Lieben Dank
    Tina

  11. Das mit den Kühen kommt mir bekannt vor, hihi, habe ich immer meiner – sechs Jahre jüngeren – Schwester erzählt! Ich schäm’ mich auch heute ein wenig, lach!!!

    Deine Fotos sind der absolute Kracher!
    Liebe Grüße
    Andrea

  12. Sieht der lecker aus, Oma ist doch die Beste.

  13. ICH lasse NIEMANDEN an meinen Bauchnabel!
    WEIL mein Papa mir von Kleinauf erzählt hat,
    dass DAS der Knoten ist, wie von einem Luftballon und wenn DER aufgeht….
    DANN geht die Luft aus MIR heraus! :D

    Der Truthahn bei Onkel Wolfgang hatte damals 4 Beine!!!
    Weil es in Wahrheit gar kein Truthahn war…..
    sondern ein süßer Hase aus dem eigenen Stall! Ahhhhhhhh :(

    Hat der Hamster echt eine Karte geschickt? ….. Klever waren sie ja diese Familien-Lügen :)

    Der Kuchen sieht auf jeden Fall super aus und ist wahrlich eine Lüge wert!

    Zauberhafte Grüße …. Katja

  14. Immer diese Hochstapler! ;) Ich hab da auch so ein paar Geschichten und das mit den Kühen wurde mir ganz genau so erzählt… tzzz. Der Kuchen sieht aber, ob nun jahrelang überliefert oder aus einer Zeitung, ganz zauberhaft aus und ist ganz sicher auch suuuper lecker. :)
    Viele Grüße
    Sarah

  15. ich mag deine oma :)

  16. Jaja, die Omas… Auch in meiner Familie leben unaufrichtige, wenn nicht sogar gemeingefährliche Menschen. Meine (große Anzahl an) Hasen, die sich regelmäßig (wild und massivst vermehrt) “selbst” aus ihrem Käfig befreiten, wurden Sonntags als “Bio-Hühnchen” kredenzt. Natürlich wurde diese Lüge erst viele Jahre später zufällig und unabsichtlich von meinem Cousin aufgedeckt… Ich kann dich also absolut verstehen ;)

    Außerdem wollte ich dir sagen, dass ich deinen Schreibstil liebe, der Post war wirklich ein Genuss zum Lesen :)

    Hugs and Kisses
    Kathi

    • Persis says:

      Bio-Häschen, das ist ja unglaublich. In den Kommentaren tun sich wahre Abgründe auf.
      Ich danke Dir sehr für das nette Kompliment :)

  17. hach deine bilder sind einfach wunderschön! der kuchen klingt ganz wunderbar! Haselnusskuchen nasche ich ja wirklich sooo gerne :)

  18. ohhhhh…. solchen Kuchen liebe ich!
    Die Zutatenliste kann man schon fast auswendig und dann je nach Gusto das Ein oder Andere dazu mischen. Heraus kommt immer ein leckerer Kuchen,der aber jedesmal anders schmeckt!
    Danke das du Omas Rezept mit uns teilst!!! <3
    Alles Liebe
    Melli

  19. Hallo Persis … erstmal sehen die Bilder wunderschön aus … das Rezept hört sich extremst lecker an und über deine Oma musste ich jetzt auch spontan lachen :-D
    LG Andrea

  20. Sehr schöne Familien-Anekdote! :)
    Ich bin kein großer Nusskuchen-Fan, aber in Komibination mit Kaffee ist das glaube ich direkt nochmal was anderes :D

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