Die Marzipaninsel

Im Laufe des Lebens habe ich mir schon oft die Frage gestellt, auf welche drei Dinge ich keinesfalls verzichten könnte, wenn man mich auf einer einsamen Insel aussetzen würde. Als ich noch klein war, fiel die Wahl auf meinen geliebten Frisierkopf. Außerdem auf eine Ausgabe von Michael Endes „Momo“, und ein großes Marzipanbrot. Als ich älter wurde, wanderte bei der Inselfrage statt des Frisierkopfs ein Lockenstab in den imaginären Koffer. Aus dem Kinderbuch wurde der CD Player plus “Rocky Horror Picture Show” Soundtrack. Das große Marzipanbrot durfte bleiben. Stelle ich mir heute dieselbe Frage noch einmal, ist völlig klar, welches Zubehör ich mir für einen Trip ohne Wiederkehr aussuchen würde: ein anständiges Mützchen statt Lockenstab; für die kalten Inselnächte. Außerdem einen Volleyball – ich kenne „Cast Away“ und weiß, dass ein guter Gesprächspartner mehr wert ist als Momo und Frank N. Furter zusammen. Immer noch unentbehrlich: das große Marzipanbrot.
Denn ich liebe Marzipan. In der heißen Schokolade, als Praline oder Kartoffel – der zuckrigen Mandelmasse bin ich komplett verfallen. Und zwar so sehr, dass ich die imaginäre einsame Insel ohne imaginäres Marzipanbrot im Koffer nicht mit meinem (absolut nicht imaginären) Hinterteil angucken würde. No way, José!

Marzipan selbst machen ist übrigens ganz einfach. Eigentlich braucht man nur Mandeln, Honig und einen anständigen Universalzerkleinerer. Für den richtigen Geschmack sorgt Kaffeelikör, oder Bittermandel, oder Ingwer, oder Pistazie, oder Ananas – die Kombinationen sind schier endlos. Ich für meinen Teil habe mich diesmal für Vanille entschieden und das selbstgemachte Marzipan um einen weichen Kern aus Orangentrüffelmasse getüddelt. Das schmeckt genauso gut, wie es sich anhört – darauf gebe ich mein großes Marzipanliebhaberinnenehrenwort!

Die Marzipan-Orangen haben es übrigens ganz eilig und machen kurz vor Schicht im Schacht noch schnell bei Zorras tollem Event zum neunten Kochtopf-Jubiläum mit. Das war knapp!

9 jahre kochtopf Blog-Event - Smart Speed Kitchen (Einsendeschluss 15.9.2013)

Gefüllte Marzipan-Orangen
 
Arbeitszeit
Koch/Backzeit
Insgesamt
 
Marzipanobst superschnell selbstgemacht
Zutaten
  • Marzipan:
  • 400g Mandeln
  • Ca. 200g Honig
  • 1 Vanilleschote
  • ½ Ampulle Bittermandel-Aroma
  • Lebensmittelfarbe in Orange (am besten Pastenfarbe)
  • Orangentrüffelmasse:
  • Ca. 180g Rührkuchen (ich nahm zwei Vanillemuffins vom Bäcker)
  • 20g Butter
  • 50g Zartbitterkuvertüre
  • 2-3 El Orangenlikör (alkoholfrei: Orangensaft)
  • Außerdem: Gewürznelken zur Dekoration
Zubereitung
  1. Den Backofen auf 50° Ober/Unterhitze vorheizen. Mandeln in eine Schüssel legen und mit kochendem Wasser übergießen. Die Mandeln fünf Minuten einweichen, dann in einen Sieb abtropfen. Die Haut der Mandeln abziehen, die Kerne anschließend auf ein Backblech legen und ca. 15 Minuten im Backofen abtrocknen. Anschließend portionsweise im Zerkleinereraufsatz des Stabmixers sehr fein mahlen. Die Vanilleschote mit einem Messer aufschneiden und das Mark herauskratzen. Die gemahlenen Mandeln, das Vanillemark, den Honig und das Bittermandel-Aroma in einer Schüssel mit den Händen rasch zu einem runden, glatten Ball kneten. Das fertige Marzipan nun in Frischhaltefolie einschlagen und im Kühlschrank einige Stunden - besser noch über Nacht - ziehen lassen, damit es fester wird und sich die Aromen besser verteilen. Nach der Ruhezeit die Lebensmittelfarbe einkneten.

  2. Den Rührkuchen im Zerkleineraufsatz des Stabmixers zu feinen Bröseln mahlen. In eine Schüssel umfüllen. Die Butter und die Zartbitterkuvertüre in einem Topf über dem Wasserbad zum Schmelzen bringen. Die Schokoladenbutter glattrühren, dann lauwarm abkühlen lassen. Anschließend zu den Kuchenbröseln geben, mit den Händen zu einem festen Teig kneten und dabei den Orangenlikör Esslöffelweise einarbeiten.

  3. Die Trüffelmasse zu murmelgroßen Bällen formen, auf ein Brett legen und im Kühlschrank eine Stunde ziehen lassen. Nun das Marzipan zu etwa walnussgroßen Kugeln formen. Diese mit einem Rollstab plattwalzen und je eine kalte Trüffelkugel in die Mitte geben. Das Marzipan zur Mitte hin über die Trüffelkugel falten. Das gefüllte Marzipan anschließend zwischen den Handflächen zu einem gleichmäßig runden Ball formen. Die Marzipanbälle über die feine Fläche einer Haushaltsreibe rollen, damit das Äußere die typische Struktur einer Orangenschale bekommt. Je eine Nelke in die Marzipankugel hineindrücken und um die Nelke herum mit einem Zahnstocher kleine Falten modellieren. Die fertigen Marzipan-Orangen in Mini-Muffinförmchen setzen und bis zum Verzehr luftdicht im Kühlschrank lagern.
Hinweis
Ergibt ca. 25 Stück

 

Comments

  1. Wunderschön gemacht. Sieht so rein und perfekt wie Deine Kekse aus. Fällt auch in die Kategorie meiner westlichen Wagashi wo ich die japanischen Süßigkeiten, die aus Bohnenpaste hergestellt werden, mit Marzipan imitiert habe. Überraschender Weise ist Marzipanobst gar nicht so schwer herzustellen und sieht dem echten Obst verblüffend ähnlich. Wenn Du noch etwas anderes mit Marzipan machten möchtest, dann wäre das ebenfalls genau dass was wir für unseren Blog-Event suchen.

    Liebe Grüße
    Anna

    • Persis says:

      Liebe Anna, für euer Event lasse ich mir noch etwas Eigenständiges einfallen. Das ist ganz feste eingeplant :)

  2. WOW – und wieder mal ein Punkt für Dich – ich bin sprachlos…
    Vielleicht sollte ich mal über die von Dir hier zum Besten gegebene Orangenvariante mal nachdenken. Denn ich finde nichts furchtbarer & zeitaufwändiger als eine frische Orange zu pellen…
    Schade, dass Du so weit weg wohnst. Solltest Du mal in der Nähe sein, du bist jederzeit zu einem privaten Backfestival in meiner Küche willkommen :-)

    Einen guten Wochenstart und einen gesunden Herbst dank frischer Orangen

    Sabine

  3. Wow… selbstgemachtes Marzipan! Wenn man nur noch der Optik geht, muss es wahnsinnig toll schmecken.

  4. Ohh, sind die hübsch! Und die sehen richtig lecker aus! Und dein Post gefällt mir insgesamt auch total gut. Die Frage mit der imaginären einsamen Insel stellt sich schließlich jeder mal im Leben (und ehrlich gesagt, wüsste ich jetzt nicht gleich, welche Antwort ich dir geben sollte, wenn du mich jetzt fragen würdest, was ich mitnehmen würde – vielleicht ein paar Marzipan-Orangen?)

    ♥sabrina

  5. Boah, du bist ja der Knaller! Das sieht einfach perfekt aus und schmeckt sicherlich auch so. Hut ab, je suis entzückt!

  6. Ooooohhhh … Marzipan! Ich liebe Marzipan ebenfalls und mein Gepäckstück für imaginäre Inseln wäre ähnlich gefüllt!

    Tolle Fotos übrigens – man möchte direkt zugreifen :-)

    LG,
    Claudi

  7. Selbstgemachtes Marzipan??? Davon hab ich ja noch nie gehört. Klingt echt ganz simpel und easy. Und richtig herbstlich sind Rezept und Bilder auch, wie ich finde :)

    Liebe Grüße
    Janet

  8. Mensch, Persis, an Dir ist echt eine Partissiere verloren gegangen!
    Das ist ja der absolute Traum, was Du da wieder gezaubert hast.
    Ich liebe Marzipan auch sehr und freue mich immer, wenn die feinen Lübecker Marzipanteilchen mit Orangengeschmack bekomme, das sind nämlich meine Liebsten….
    Eine schöne Woche für Dich
    Andrea

  9. Hihi, Persi du bist die Beste und die Orangen sehen ja aus wie frisch gepflückt. Gibs zu die hast du auf der einsamen Insel vom Baum gepflückt. ;-)

  10. Also Marzipanbrot muss bei mir nicht ins Gepäck, aber ich wollt mal loswerden, dass der Post voll gut und süß geschrieben ist:) Wie man sich doch so verändert.

  11. Ich krieg die Tür nicht zu!!!
    Das letzte Bild sieht ja aus wie ein Ölgemälde (nur mal so vorweg)
    Ich kann nur sagen:
    bei DEM “Obst” würde mein Sohn gerne und das immer und immer wieder zugreifen!
    Die Orangen sehen göttlich aus…. und das Rezept mit der Füllung dazu fören sich ebenso an!
    Ich such dann mal ruck zuck die zick zack Zyliss ! *grins*
    Katja

  12. Ein Wort: Perfektion.
    Mein Kompliment an die Bäckerin, umglaublich wie toll die aussehen, ich bin wirklich hin und weg!
    Liebe Grüße,
    Frl. Laune
    (ehemals die Anfängerin)

  13. Meine Güte, sieht das toll aus!
    Und meine Liebe zu Marzipan ist mindestens genauso gross wie deine. Ich hatte bei meinen Eltern sogar immer einen Adventkalender, der NUR mit Marzipan gefüllt war :-D

  14. Hihi :) Sehr gut geschrieben !!!
    Ein Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen…
    Und die Bilder sind wieder einmal großartig! Ich liebe solche Posts :)
    Alles Liebe, Cathi von Carpe Kitchen!

  15. Marzipan, da bin ich sofort dabei. Wie sich das lecker anhört. Und wunderschön sehen sie auch noch aus. Und ich läute den Feierabend grad mit einem banalen Stückchen Noisette-Schokolade ein. Da wär mir eine von Deinen Orangen aber bedeutend lieber!
    Herzliche Grüße,
    Dani

  16. OMG . ich liebe Marzipan und dann sehen die Oragen ja auch noch absolut perfekt aus. Ich wusste gar nicht, das man Marzipan so einfach selber machen kann…. das sieht nach der Perfekten Mischung aus – da kann Niederegger einpacken :)

  17. Du bist unglaublich…eigenes Marzipan und dann so unglaublich toll geformte Orangen. An deiner Stelle würde ich den Universalterkleinerer und ne Mandelbaumpflanze (?!) mitnehmen. So’n Marzipanbrot ist auch irgendwann alle.
    Alles Liebe,
    Nova

    PS: …wem willst du jetzt noch erzählen, dass du keine Cake Pops formen kannst?! ;)

  18. Auf die Frage mir der einsamen Insel und der drei Dinge gibt es für mich nur eine Antwort: Schokolade, Nougat und MARZIPAN! Gott, sehen Deine Orangentrüffel klasse aus!

  19. Die Bilder sind unglaublich schön! Der Hammer! Und das Rezept überzeugt auch total… Hoffe sehr für dich, dass es ins Kochbuch kommt. Auf meine To Cook Liste kommt es auf jeden Fall.
    Alles Liebe,
    Ela

  20. Sehen die kleinen Orangen toll aus.. :-) Kann ja gar nicht glauben, dass Marzipan selber machen nicht so schwer sein soll. Werde es mal auf meine Liste “Wollte ich schon immer mal machen ” setzen ;-)
    Ich war übrigens auf einer Marzipaninsel.. Sizilien. Dort bekommt man wirklich super leckeres handgemachtes Marzipan in allen Farben und Formen.
    Werde auf jeden Fall öfters bei Dir vorbeischauen..

    Lieben Gruß
    LisaCuisine

  21. Anke says:

    Ich bin hin und weg….was eine tolle Idee!

  22. LIebe Persis, das ist ja Wahnsnn. Beim ersten Scrollen habe ich wirklich gedacht: “Wie hat sie denn die Orangen gefüllt?!” Das sieht so täuschend echt aus, wunderschön. Ich habe meine Liebe zu Marzipan erst vor Kurzem entdeckt. Vorher dachte ich einfach, ich mag das nicht. SEhr dumm. Jett gilt es 26 Jahre aufzuholen ;)
    Viele liebe Grüße
    Natalie

  23. Du veralberst mich doch! Du machst MAR-ZI-PAN selber?!? Ja, geht denn so was überhaupt? Ich LIE-BE die Food-Bloggerwelt. Kein Schwein in meinem Umfeld hätte mich sonst je auf die Idee gebracht, dass man dermaßen easy Marzipan hergestellt bekommt. Verrückt! Nein, GE-NI-AL!!!

  24. Die kleinen Orangen sehen perfekt aus. Ich bin ja nicht so der Marzipan-Fan, habe aber schon jemanden im Hinterkopf, der sich über soetwas sehr freuen würde!

  25. Toll! Das wusste ich auch noch nicht, dass man das selbst herstellen kann. Aber ich wäre wohl doch wieder zu bequem dazu, wo mans doch im Supermarkt so easy-peasy vom Regal selber in den Einkaufswagen legen kann. Da ist mir dann der Selbstanteil vom Selbermachen schon groß genug :)

  26. Ui, ich will auch mit auf die Mazipaninsel! Idee: ich nehm DICH mit auf ne einsame Insel, dann kannst du mir Tag und Nacht so leckres Zeugs backen….:Deal??? :)
    So, muss los.
    Mandeln und Honig und so kaufen :)

  27. Persis, die Orangen sehen ja aus, wie echt! Also, WOW! Hut ab. Und es hört sich wirklich gar nicht mal so schwer an. Danke für das tolle Rezept!

  28. Eine Liebhaberin mehr! Also ich den Titel gesehen habe, dachte ich, zu warst im schönen Bayern zu Besuch und hast auf der Fraueninsel am Chiemsee Klostermarzipan mitgenommen. Das ist wirklich herrlich! Aber mit deinem tollen Rezept, werde ich’s vielleicht wirklich mal selbst ausprobieren. Weihnachtsgeschenk für Schwiegerpapa in Spe – Hacken dran!
    Toll auch deine Bilder. Bin ganz verliebt!

  29. Wie würde der Schwabe sagen? Heiligs Blechle!!!
    Die sehen wahnsinnig gut aus. Und wie schön du die fertigen Pralinchen in Szene gesetzt hast – so schön.
    Und wie kommt man auf die mega geniale Idee Gewürznelken als Blütenstiele zu nehmen? Das wäre mir wahrscheinlich im Leben nicht eingefallen.
    Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Ganz großes Kino!

    Liebe Grüße,
    Jessi

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