Der Keksesser: Eine tiefenpsychologische Studie

Die Moechtegern-Baeckerin
Ich oeffne  ein Paket mit neuen Backartikeln und wundere mich ueber das wirre Konglomerat an Gegenstaenden, welches ich bestellt habe. Eine Oesen- und Webmusterstrukturplatte. Soso.  Ausstecher Nummer dreihundertachtundfuffzich; diesmal in Form einer Erdbeere. Auch schoen.
Als ich vor zwei Tagen in einem Anfall von „Heureka!“ die Bestellung in meinem Lieblings-Backshop ausloeste, ergab die Kombination an Dingen hoechstwahrscheinlich noch einen ganz bestimmten Sinn. Doch der ist mir bereits heute wieder entfallen. Davon lasse ich mich aber nicht entmutigen. Stattdessen greife ich zum Mehl und versuche, irgendetwas Sinnvolles aus dem kunterbunten Sammelsurium zu zaubern. Denn morgen moechte ich drei Menschen beschenken:

Cupcake Kekse @yumlaut.de

Der Profi
Du backst selbst, und das schon sehr, sehr lange. Bist kritischer Esser und Quell grenzenlosen Backwissens in einer Person. Du nimmst jeden Deiner Geburtstagskekse genau unter die Lupe, waehrend ich mit Angstschweiss auf der Stirn danebenstehe und auf das Ergebnis Deines Keks-Gutachtens warte. Mit einem Blick erkennst Du, dass der Fondant vier Monate lang bei 12° Suedlage auf einem toskanischen Fondantgut gereift sein muss. Und Dein feines Naeschen erschnuppert augenblicklich, dass Du mit dem Huhn, welches  das Ei fuer den Teig spendierte, schon mal die Schulbank gedrueckt hast. Nebenbei laesst Du mich an Deiner Erfahrung teilhaben und versorgst mich mit hilfreichen Tipps. Beanstandungen an meinem Backwerk gibt’s von Deiner Seite aus keine. Puuh!

Erdbeerkekse @yumlaut.de

Der Traditionelle
Meine Kekse sind Dir viel zu bunt und suess. Du magst keinen Fondant, sondern bist eher ein Butterkuchen-Typ.  Deine Hoeflichkeit verbietet es allerdings, das laut auszusprechen. Stattdessen hebst Du den Dir angebotenen Keks „fuer spaeter“ auf und laesst ihn in Deiner Tasche verschwinden, wo er den Weihnachtsplaetzchen vom letzten Jahr Gesellschaft leistet.
Du bist mir trotzdem sympathisch, und ich verrate Dir gerne, weshalb: ich dekoriere Kekse lieber, als sie anschliessend zu essen. Beim Backen landen schon genug halbgare Plaetzchen und Fondantreste in meiner Plautze. Extra fuer Dich habe ich nun etwas Teig abgezwackt und diesen schlichten Schokoladenkeks gebastelt. Die Puenktchen sind zwar quietschrosa, schmecken dafuer aber ganz harmlos nach Erdbeere. Ich hoffe, dass  damit ein guter Kompromiss gefunden werden konnte. Ausserdem gibt es zum Ausgleich fuer Dich ja noch ihn hier:

Blumentopf-Kekse @yumlaut.de

Der Genuegsame
Du freust Dich wie Bolle, wenn es etwas Selbstgebackenes gibt. Begeistert und voll des Lobes futterst Du Keks um Keks, ohne richtig wahrzunehmen,  was genau Dir da serviert wurde. Schau doch wenigstens mal kurz hin, bevor Du das naechste Plaetzchen einatmest! Weisst Du ueberhaupt, wieviel Arbeit in so einem Dingeling steckt? Tsss!
Aber ich koennte Dir niemals boese sein. Dir ist es naemlich Wumpe,  dass zwischen Blumentopf und Bluete eigentlich ein Stiel sein muesste. Anstandslos isst Du sogar die unzaehligen abgebrochenen Blumenkoepfe mit (Memo von mir an mich: Ausstecher mit filigranen Zwischenteilen sind nix fuer grobmotorische Moechtegern-Baecker), bis jeder Beweis dieses kleinen Deko-Ausrutschers getilgt wurde. Danke schoen!

So, und nun sind alle Kekse wech.